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 Philosophisches

DenkerposeVerehrter Besucher, verehrte Besucherin meiner Web Site,

hiermit will ich den Versuch wagen meine “Frackgalerie-Unternehmung” (Mission possible) etwas verständlich zu machen.
Ich möchte hier zu Gedanken anregen, die eigentlich hautnah sind. Wie zum Beispiel über die Kleidung, die wir tragen.

Es scheint, daß es nur noch drei Kriterien gibt, die beim Kauf von Kleidung berücksichtigt werden: der Preis, die Bequemlichkeit und daß sie “praktisch” ist.

Mein Wunsch wäre, daß sich die Menschen mehr bewußt kleiden, --- das hat nichts zu tun mit gut oder schlecht. Es ist keine Frage des Geldes, sondern welchen Wert man sich selbst beimißt. Sich bewußt zu kleiden bedeutet auch herauszufinden was man wirklich will und was nicht. Das ist gar nicht immer so einfach. Besonders in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, der Vermassung und des Wegfalls vieler Gesetze und Maßregeln, die den menschlichen Verkehr in der Vergangenheit geregelt haben.

In unserer Zeit der fortschreitenden Industrialisierung, die immer schneller und billiger Massenware produziert, wird man überschwemmt und fast erdrückt von Angeboten. Durch die globale Verbreitung der Massenmedien mit ihren visuellen Botschaften und der massiven Werbung kann man sich kaum noch dem Konsumterror entziehen. Daß die Werbung so oft die Individualität ihres besonderen Angebots hervorhebt, ist mir sowieso ein Rätsel.

“individuelle Mode” ist an sich ein Paradox.
Entweder ist man ein Individuum, ein Original oder man läßt sich von der Mode beeinflussen und mitreißen.
Mode ist Gleichklang und Pseudomythos für Nichtindividualisten.
Meine Kleidung ist zeit-negierend und anti-modisch in einem präzisen modischen Sinne.
Deswegen ist es sehr unangenehm für mich als “Mode-Designerin” bezeichnet zu werden. Ich habe etwas gegen Mode und arbeite deshalb gegen sie.
Um gegen etwas zu arbeiten, muß man möglichst viel Kenntnis von dieser Angelegenheit erlangen.

Der Ausbildung auf der Modeschule zur Entwurfs- und Schnittdirektrice verdanke ich viele gute fachliche Kenntnisse und einen Einblick in die Konfektion und deren Maschinerie. Das Hauptanliegen dort war: --- immer neuer --- immer schicker --- immer schneller als die anderen --- aufschnappen von Trends und deren Umsetzung zur Vermarktung.

Es gibt zwei Dinge, die mich massiv bei der Herstellung von Konfektion stören:

  • die maßlose Verschwendung von Material (Ausschuß, Billigprodukte, Schlußverkauf), welche einhergeht mit mangelndem Respekt vor den natürlichen Rohstoffen.
  • mangelnder Respekt vor der Arbeit der Herstellenden (Arbeiter/innen werden zu bloßen Werkzeugen herabgewürdigt). Es gibt keine Beachtung des Grundbedürfnisses des Menschen einen Wert zu haben und eine Sache schön machen zu dürfen (REFA, Zeittakt, Profit). Zum Menschsein genügt es nicht nur eine warme Stube und genug zu essen zu haben.

Es ist eigentlich fast unmöglich wirkliche Schönheit in einem Konfektionsbetrieb herzustellen.
Wichtigstes Vorbild für die von Menschen geschaffene Schönheit ist die Natur. Zerstörung der Natur ist somit gleichbedeutend mit Zerstörung der Grundlage und des Ausgangspunktes von Schönheit. So wie der Körper Schutz vor Kälte und Blicken braucht um sich wohl zu fühlen, braucht die Seele ein gewisses Maß an Schönheit um sich entfalten zu können.

Um eine Sache schön zu machen und gleichzeitig so, daß der Träger höchstes Wohlbefinden erlangt, sollte das Material von erster Güte sein. Der Schnitt sollte genau zu den Körperformen des Trägers passen. Das Kleidungsstück sollte die Landschaft des Körpers derart umschmeicheln, daß man sich fragt, wie sie nur so lange haben getrennt voneinander leben können. Kleidungsstücke sollten nicht wie tote Objekt gesehen und so behandelt werden. Sie atmen und wollen nicht achtlos auf den Boden geworfen werden.
Als Gegenleistung unterstützen sie das Ego und werden ein Teil von ihm.
Es gefällt mir, wenn ich sehe, daß eine tiefe Beziehung zwischen einem Kleidungsstück und seinem Träger entsteht.
Das Kleidungsstück muß den Ansichten und Idealen entsprechen und zu seinem Körpertyp in Form, Farbe und Schnitt passen. Das Ganze stellt eine höchst vergnügliche Herausforderung an den Designer und auch an das Können des Schneiders dar. Nur beides zusammen ergibt ein gelungenes Werk.

Ich liebe besonders die Menschen, die aufstehen und sich widersetzen, Persönlichkeiten, die der Mode widerstehen, Menschen, die sich einen eigenen Geschmack herausbilden, die sich überlegen was sie wollen, Menschen, die eine eigene Meinung haben und zu ihr stehen.

Ich hoffe einigen Personen zu begegnen, die diese Ansicht mit mir teilen, um nicht an den vielen hindernden Realitäten zu verzweifeln.

Möchten Sie etwas zu dem Geschriebenen anmerken, freue ich mich über Ihre Antwort.
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